Judith? Nennen sie mir ein anderes Wort für: „Geschwollen“ … Vielen sollte dieses Zitat aus „Zehn Dinge, die ich an dir hasse“ bekannt sein. Die Rektorin der Schule im besagten Film schreibt leidenschaftlich an einem Erotikroman und sorgt damit für den einen oder anderen Lacher. Sie zeigt damit aber auch wunderbar, wie man bei einer erotischen Geschichte nicht schreiben sollte. Daher hier einige Dinge, die es zu beachten gilt.

Anm. d. Red.: Diesen Artikel schrieb ich vor Jahren als Gastbeitrag für einen anderen (und offensichtlich unter anderem dem Erotik-Genre gewidmeten) Blog. Da dieser inzwischen nicht mehr existiert dachte ich mir, dass er sicher auch hier für den ein oder anderen Lacher sorgen könnte.

1. Gebt den Geschlechtsteilen der Protagonisten keine Namen

Ich meine es ernst. Ein Name ist immer ein Identifikationsmerkmal und es wird immer jemanden geben, der sich dabei denkt „Hat Antonio gerade wirklich meinen Mann in die Vagina einer fremden Frau geschoben???“. Auch eine negative Assoziation kann geweckt werden, denn jeder hat einen Günther (Hier beliebigen Namen einfügen), den er nicht leiden kann und der sich aus einer sexuellen Interaktion zwischen zwei geliebten Protagonisten gefälligst rauszuhalten hat.

Wichtig: Erst recht sollten keine Heldennamen benutzt werden. Denn es ist nicht sehr erotisch, wenn Siegfried erwacht. Und auch bei Sir Lancelot sollte das Problem offensichtlich sein.

2. Vermeidet „kreative“ Bezeichnungen für Geschlechtsteile

Hier wären wir bei den titelgebenden Liebeshämmern und Lustgrotten angelangt. Ich meine, sind wir mal ehrlich: Wer bitte empfindet Begriffe wie Lustkanal, Pfahl, Kolben oder Schwengel als erotisch anregend? Besonders der Kolben lässt hier auf ein unzureichendes Wissen bezüglich des Ablaufes eines Geschlechtsaktes schließen. Jedenfalls, wenn es sich dabei um guten Sex handeln soll.

3. Bitte keine Nahrungsmittel missbrauchen

Vorsicht ist auch bei Bezeichnungen wie „Bratwurst“ geboten. Während ein Fleischesser an dieser Stelle im schlimmsten Fall wenigstens noch Hunger bekommen könnte, habt ihr die Veganer bereits ganz verloren. Und Möhren, Gurken und Bananen sind auch nicht unbedingt sexy.

4. Gossensprache verderben die Liebe

Harte Begriffe sind ein absoluter Liebestöter. Es mag vollkommen legitim sein, in der direkten Rede Begriffe wie „Fotze“ (z.B. als Beleidigung) zu verwenden. In der Beschreibung einer sinnlichen Begegnung haben sie aber nichts verloren.

5. Stilbrüche sind keine Stilmittel

Stellt euch vor, ihr lest einen spannenden, detailiert ausgearbeiteten Fantasyroman mit einer darin eingebundenen Liebesgeschichte. Dann, auf Seite 625 ist es endlich so weit: Die beiden Hauptakteure kommen sich näher. Plötzlich weichen die blumigen Beschreibungen der Geschichte einer harten Sexszene in allen Details. Schockierend!

Aber …

„Wie soll ich es denn jetzt schreiben?“ wird sich jetzt Mancher fragen. Tatsächlich scheint es erstmal so, als ob durch diese Regeln alle detailierten Beschreibungen des Aktes tabu wären. Aber man muss auch bedenken, dass der ungefähre Ablauf den meisten Lesern klar sein sollte. Hier lohnt es sich nicht, das ganze z.B. mit unerotischen Beschreibungen von Größe und Wucht des männlichen Gliedes aufzublähen. Viel sinnvoller ist es, einige Informationen nicht im Text, sondern in den Köpfen der Leser entstehen zu lassen (jeder hat gewisse Vorlieben und Phantasien und die Geschichte wird prickelnder, wenn sie genau dafür ein wenig Platz lässt).

Den Raum, den man dadurch nicht mehr mit Text füllen muss kann man nutzen, um auf die Gefühlswelt der Akteure genauer eingehen. Zum Abschluss noch ein Vergleichsbeispiel:

Schlecht: Er presste seinen Jonny mit Wucht in ihre feuchte Spalte, sodass sie schrie.

Gut: Er drang in sie ein, wobei sie ihre Ekstase hinausschrie.

Hier sieht man gut, wie mit nahezu der selben Anzahl an Wörtern fast das gleiche beschrieben wurde. Aber im ersten Beispiel ist alles vorgegeben, wobei der Leser im zweiten Beispiel selbst bestimmen kann, ob er sanft oder hart zustößt, je nach Vorlieben. Gleichzeitig wird die Lust der Frau hervorgehoben und kein einziger „Liebestöterbegriff“ verwendet.

In diesem Sinne: Make Love, not Porn! 😉

Eric F. Bone